SAP LSMW

SAP LSMW (Legacy System Migration Workbench) ermöglicht eine komfortable Datenmigration von Altsystemen nach SAP und weitere Datenoperationen. Erfahren Sie mehr über die vielfältigen Einsatzszenarien!

Was ist SAP LSMW?

SAP LSMW steht für SAP Legacy System Migration Workbench. Das Werkzeug ist in erster Linie für die einmalige oder periodische Datenübernahme von Fremdsystemen (Legacy-Systemen) in ein SAP-System vorgesehen. Somit spielt es insbesondere beim Wechsel von Drittsystemen auf SAP-Produkte eine Rolle.

Welche Funktionen bietet SAP LSMW?

Die Kernfunktionen der SAP Legacy System Migration Workbench sind:

  • Einlesen von Daten aus Non-SAP-Systemen
  • Umsetzung (Konvertierung) der Daten aus dem Quellformat in das SAP-Format
  • Import der konvertierten Daten (inklusive Konsistenzprüfung)

Obwohl sich die Bezeichnung auf die Migration von Altdaten bezieht, bietet SAP LSMW jedoch noch weitere Funktionen für das Anlegen und Ändern von Stammdaten, Bewegungsdaten und Customizing-Daten. Aus technischer Sicht sind hierfür folgende Möglichkeiten vorhanden:

  • Batch-Input: Anlegen (Aufzeichnen) und Übernehmen von Mappen über das Durchlaufen von Transaktionen
  • Direct-Input: direktes Übernehmen der Daten in SAP-Datenbanktabellen
  • BAPI: Datenübergabe via Schnittstelle
  • IDoc: Datenübernahme über standardisierte elektronische Nachrichten

Zudem ist die SAP Legacy System Migration Workbench mit einer Aufzeichnungsfunktion für SAP-Transaktionen ausgestattet (ähnlich dem SAP-Test-Tool eCATT). Nutzer können damit Transaktionsschritte (Datenerfassungen und -änderungen) aufzeichnen. Die Aufzeichnung kann dann als Basis für die Datenübernahme verwendet werden.

Die am häufigsten genutzte Methode zur Datenmigration ist Batch-Input. Bei besonders umfangreichen Datenbeständen greifen Anwender zudem gerne auf Direct-Input zurück. Sehen wir uns diese beiden Varianten daher genauer an.

Anwendung von SAP LSMW mit Batch-Input

Vereinfacht ausgedrückt wird mit dem Batch-Input-Konzept die Eingabe von Daten durch einen menschlichen Benutzer simuliert. Hierfür werden zunächst sogenannte Batch-Input-Mappen erzeugt, welche sowohl die notwendigen Transaktionscodes (Eingabemasken) als auch die zu erfassenden Daten beinhalten. Stammen die Daten aus einem Non-SAP-System, müssen Sie zunächst aufbereitet werden, um den SAP-Eingabeformaten zu entsprechen. Zur Umwandlung vom Quellformat in das Zielformat stellt LSMW daher spezielle Funktionen bereit. Beim Verarbeiten der Mappe absolviert das SAP-System dann sämtliche Schritte, die auch ein Mitarbeiter bei der Datenerfassung durchlaufen würde:

  • Transaktion starten (Eingabemaske öffnen)
  • Prüfen der Benutzerberechtigungen
  • Dateneingabe
  • Konsistenzprüfung
  • Speichern der Daten (Eintrag in Datenbanktabelle erzeugen)

Der Unterschied zur manuellen Dateneingabe besteht darin, dass die zuvor genannten Schritte innerhalb kürzester Zeit durchlaufen werden. Hierdurch lassen sich selbst umfangreiche Datenbestände sehr schnell einspielen.

Im Regelfall erfolgt das Abspielen der Batch-Input-Mappen im Hintergrund - also unsichtbar. Entsprechende Hintergrundjobs lassen sich zeitlich planen und werden häufig außerhalb der Betriebszeiten ausgeführt, um laufende Prozesse des Tagesgeschäfts nicht zu beeinträchtigen.

Anwendung von SAP LSMW mit Direct-Input

Im Gegensatz zum Batch-Input werden beim Direct-Input-Verfahren keine Mappen erzeugt. Die Fortschreibung der Daten erfolgt direkt. Das heißt, es werden keine Bildschirmbilder durchlaufen. Vielmehr werden die Daten direkt in die Zieldatenbanktabellen geschrieben. Treten hierbei Fehler auf, kann eine Restart-Funktion genutzt werden. Damit diese greift, dürfen Direct-Inputs ausschließlich im Hintergrund durchlaufen werden.

Direct-Input eignet sich insbesondere für sehr große Datenmengen, da es gegenüber dem Batch-Input eine erheblich bessere Performance bietet. Für Konsistenzprüfungen stehen auch hier SAP-Funktionsbausteine bereit.

Welche Daten können mit der SAP Legacy System Migration Workbench migriert werden?

Bereits im Standard ermöglicht LSMW die Übernahme zahlreicher Stammdaten und Bewegungsdaten. Hierzu zählen unter anderem Sachkonten, Kundenstammdaten, Lieferantenstammdaten, Materialstammdaten und Stücklisten. Natürlich ist auch eine Übernahme von Belegen wie Aufträgen, Bestellungen oder Buchungsbelegen aus der Finanzbuchhaltung möglich. Weitere Datenobjekte lassen sich durch die Aufzeichnung von Transaktionen migrieren, sofern sich die Transaktion für die Batch-Input-Methode eignet. Über diesen Weg ist auch eine Massenlöschung von Daten möglich.

Im Übrigen müssen nicht einzelne Tabellen und Felder migriert werden. LSMW verfolgt vielmehr den Ansatz, komplette Business-Objekte wie Kundenstammsätze vom Altsystem nach SAP zu übernehmen.

Welche Berechtigungen sind zum Ausführen der SAP Legacy System Migration Workbench erforderlich?

Die LSMW verändert in letzter Konsequenz den Datenbestand eines SAP-Systems. Der Zugriff auf diese Funktion muss daher kontrolliert werden. Die Legacy System Migration Workbench ist in das SAP-Berechtigungskonzept integriert, wodurch sich sehr gut steuern lässt, welcher User die Funktionalität in welchem Umfang nutzen darf. Zur Verfügung stehen vier aufeinander aufbauende Berechtigungsprofile:

  • Anzeigen: Projekte und Arbeitsschritte anzeigen, Durchführung von Änderungen nicht möglich
  • Ausführen: Berechtigungen von „Anzeigen“; zusätzlich Daten einlesen, konvertieren und importieren
  • Ändern: Berechtigungen von „Ausführen“; zusätzlich Objekte ändern und kopieren
  • Administrieren: höchste Stufe; Zugriff auf alle LSMW-Funktionen

Für die Datenmigration sind abhängig von der Methode weitere Berechtigungen erforderlich. Sollen via Batch-Input bspw. Materialstammdaten angelegt werden, benötigt der ausführende SAP-Benutzer eine Berechtigung für die Transaktion „Material anlegen“. Sollen Kundendaten (Debitoren) verändert werden, wäre eine Berechtigung für „Debitor ändern“ erforderlich.

Welche Vorteile bietet SAP LSMW?

LSMW ist für SAP-Kunden und SAP-Partner kostenfrei verfügbar. Der wesentliche Vorteil liegt in der erheblichen Reduzierung des Zeit- und Kostenaufwands bei Datenmigrationen. Für zusätzliche Vereinfachungen sorgt die Wiederverwendbarkeit von Datenmapping- und Konvertierungsregeln. Positiv ist auch zu bewerten, dass die Migration ohne Programmierung realisierbar ist. Spezielle Kenntnisse (z. B. ABAP) sind nur erforderlich, wenn sehr spezifische Schritte abgebildet werden sollen. Benutzer werden aufgrund einer klaren Abfolge von Schritten intuitiv durch den Migrationsprozess geleitet.

Vorteilhaft ist weiterhin, dass LSMW durch Importprüfungen ein hohes Maß an Datenqualität und -konsistenz gewährleistet. Bei korrekter Vorgehensweise lassen sich schwerwiegende Beschädigungen der vorhandenen SAP-Datenbank durch fehlerhafte Importe annähernd ausschließen.

Beispiel für die Anwendung von LSMW

Der Datenmigrationsprozess mit LSMW lässt sich am besten anhand eines Beispiels verdeutlichen. Gehen wir von folgendem Fall aus: Es sollen Debitorenstammdaten von einem Altsystem in das SAP-System übernommen werden. Die Altdaten sind bereits extrahiert und in einer Excel-Tabelle gespeichert. Diese enthält Daten wie die Kundennummer, den Namen, die Adresse und die Telefonnummer. All diese Informationen sollen nun mittels Batch-Input in neue Debitorenstammsätze in SAP überführt werden. Im Wesentlichen sind hierfür folgende Schritte zu durchlaufen:

  1. Transaktion LSMW starten und ein Projekt anlegen (hier bspw. unter dem Titel „Datenmigration Debitoren“)
  2. Importtechnik auswählen (hier „Batch-Input-Aufzeichnung“)
  3. Aufzeichnung durchführen (hier „Debitor anlegen“)
  4. Quellstruktur pflegen (Abbildung der bisherigen Struktur der Debitorenstammdaten in LSMW)
  5. Quellfelder pflegen (Feldname, Bezeichnung, Feldlänge, Feldtyp)
  6. Strukturbeziehung pflegen (Beziehung zwischen Quellstruktur und Zielstruktur definieren)
  7. Fieldmapping und Konvertierungsregeln pflegen (Zuordnung von Quellfeldern und Zielfeldern, Umsetzung der Feldinhalte definieren)
  8. Festwerte und Umschlüsselungen pflegen (Beispiel: in den Altdaten steht „GER“ für Deutschland, in SAP das Kürzel jedoch „DE“)
  9. Datei auswählen, welche die Quelldaten enthält
  10. Daten einlesen, kontrollieren und umsetzen (konvertieren)
  11. Korrekte Konvertierung prüfen
  12. Batch-Input-Mappe erzeugen
  13. Batch-Input-Mappe abspielen (entspricht dem Import der Debitorenstammdaten aus dem Altsystem)

Sofern keine Fehler aufgetreten sind, stehen die Kundendaten aus dem Legacy-System nun im SAP-System zur Verfügung.

Welche Alternativen zu SAP LSMW gibt es?

Abhängig vom Einsatzzweck (Datenmigration, Massendatenerfassung, Änderung größerer Datenbestände) existieren einige Alternativen zu SAP LSMW. Zu nennen sind insbesondere folgende Lösungen und Funktionen:

  • SAP S/4HANA Migration Cockpit: zur Migration von Altdaten aus SAP- und Nicht-SAP-Systemen nach S/4HANA
  • SAP Data Services: Datenintegrations- und Datentransformations-Software zur Entwicklung individueller Daten-Workflows
  • Entwicklung eigener ABAP-Programme
  • Nutzung von Drittanbieter-Tools
  • SAP-Transaktion MASS: Massenänderung von Daten (keine Neuanlage)
  • eCATT bzw. SCAT: Aufbau neuer Daten zu Testzwecken

Ist LSMW auch unter SAP S/4HANA einsetzbar?

Das Tool LSMW ist in SAP S/4HANA technisch zwar noch vorhanden, es wird offiziell jedoch nicht mehr unterstützt. Es existiert zudem ein SAP-Hinweis, der besagt, dass LSMW möglicherweise falsche Migrationsschnittstellen vorschlägt, die in S/4HANA nicht mehr verwendbar sind. Der Hintergrund sind die tiefgreifenden Veränderungen von Datenstrukturen und Screens, die mit S/4HANA einhergehen. Auch die in R/3 verwendeten Standard-Interfaces (IDoc, Aufzeichnungen, BAPIs etc.) sind für diese neuen Strukturen nicht ausgelegt.

Als Nachfolger von LSMW bietet SAP unter S/4HANA das neue Migrationstool LSMON (Migration Object Modeler) und das S/4HANA Migration Cockpit (LTMC) an.

Wo finde ich eine Anleitung oder ein Tutorial zu LSMW?

Zum Thema LSMW finden sich im Netz nur wenige frei verfügbare Anleitungen und Tutorials. Relativ ausführliche Informationen bietet SAP in einer eigenen Dokumentation zur Legacy System Migration Workbench. Zudem haben einzelne Benutzer oder Benutzergruppen LSMW-Tutorials zur Verfügung gestellt. Für einen detaillierten Einstieg ist darüber hinaus umfangreiche Fachlektüre in Form von Büchern erhältlich.

Meinolf Schaefer01 1444x1444px

Meinolf Schäfer, Senior Director Vertrieb & Marketing

Haben Sie Fragen? Ich helfe gerne weiter.

+49 2241 8845-623

Wir sind ihr Partner bei allen Fragen und Anforderungen rund um SAP. Kontaktieren Sie mich für ein persönliches Gespräch.

Herr
Frau

Hier fehlt noch etwas

*

Hier fehlt noch etwas

*

Hier fehlt noch etwas

Bitte geben Sie eine gültige Telefonnummer ein

*

Ihre gültige E-Mail-Adresse

Hier fehlt noch etwas

Hier fehlt noch etwas

Bitte klicken Sie die reCAPTCHA-Checkbox