Was ist SAP Fiori?

SAP Fiori soll die SAP-Benutzererfahrung neugestalten und sich der Schnelllebigkeit des digitalen Wandels anpassen. Doch was ist und kann Fiori wirklich? Was macht es besser und was steckt dahinter?

MIT SAP FIORI APPS ENTSTEHEN KOMFORTABLERE SAP USER INTERFACES FÜR MOBILES ARBEITEN IM ERP-SYSTEM

Das Arbeiten mit SAP muss benutzerfreundlicher werden; der Anwender soll zukünftig seine ERP-basierten Vorgänge so intuitiv wie mit dem Smartphone durchführen können, ohne sich durch endlose Masken klicken zu müssen.

Dies waren die Leitgedanken der SAP bei der Entwicklung ihrer Fiori Apps. Dabei handelt es sich um mit SAPUI5 erstellte Anwendungen, die komplexe Prozessschritte im SAP Backend hin- ter einer einfachen, modernen und mobilen An- wenderoberfläche verbergen. Typische Aufgaben im SAP-Umfeld lassen sich über Fiori Apps ge- räteunabhängig und von unterwegs erledigen.

Die SAP setzt mit dieser Lösung im mobilen Um- feld fort, was sie bei der Modifizierung der Ober- flächen von Desktop-Anwendungen mit SAP Screen Personas begonnen hat.

Kompliziert zu bedienende und optisch antiquierte Anwenderoberflächen im SAP GUI (Graphical User Interfaces) waren stets ein Schwachpunkt der SAP-Software. Für jede Aktion, jeden Prozess musste eine eigene Transaktion ausgeführt werden – das ist nicht mehr zeitgemäß. Aufgeräumte Ober- flächen und eine intuitive Bedienung per Touch- screen sind Maßstäbe aus dem Consumer-Bereich, an denen sich auch Business Software inzwischen mehr und mehr messen lassen muss.

Die Antwort der SAP sind die Fiori Apps: An- wendungen, die sich sowohl in klassischen Desk- top-Umgebungen als auch mobil auf Smartpho- nes und Tablets nutzen lassen. Sie gehören seit Mitte 2014 zum Leistungsumfang lizensierter SAP-Software und sind damit kostenfrei nutz- bar. Optisch orientieren sich die Apps an bekann- ten Online-Shops und einschlägigen sozialen Medien. Fast ohne Schulung können SAP-User mit den Apps arbeiten und sich auf ihrer personali- sierbaren Startseite diejenigen anzeigen lassen, die sie im Arbeitsalltag am häufigsten verwenden. Nicht alle aus dem SAP-System bekannten oder mögli- chen Funktionen können mit der Fiori-Technologie abgebildet werden. Dies liegt an ihrem schlanken Aufbau und der inhärenten Tatsache, dass die Dia- loge in einer Fiori App nicht zu komplex sein sollten.

SAP FIORI – DAS DESIGN-KONZEPT

SAP Fiori ist nicht nur ein Produkt, sondern auch ein Ausblick, wie SAP-Anwendungen künftig designt und implementiert werden sollen. Als grundlegende Designvorgaben hat SAP dafür folgende fünf Prinzipien auf- gestellt. Ihre Umsetzung folgt den SAP Fiori Design Guidelines.

  1. Rollenbasiert – der Anwender soll in der Anwen- dung genau die Funktionen zur Verfügung gestellt bekommen, die er für seine Aufgabe benötigt und die seiner Rolle im Unternehmen entsprechen.
  2. Responsive – Jede Anwendung lässt sich browser- basiert, als mobile App oder auf dem lokalen Desk- top darstellen.
  3. Einfach – Alle Funktionen, die nicht unbedingt erfor- derlich sind, entfallen.
  4. Kohärent – eine standardisierte Oberflächengestal- tung garantiert ein schnelles Zurechtfinden.
  5. Ansprechend – Die Anwendungen sind nach Art einer intuitiv bedienbaren Consumer App gestaltet und verfügen über eine ansprechende, selbsterklä- rende Optik.

ZIELGRUPPE VON SAP-FIORI

Fiori Apps sind nicht in erster Linie für „Power User“ konzipiert, die permanent mit SAP arbeiten und sich an die etwas sperrige Bedienoberfläche ge- wöhnt haben. Zielgruppe sind vielmehr sporadi- sche Anwender/innen, etwa aus der Produktion, wo Rückmeldungen oder Störungen erfasst wer- den müssen. Ähnliche Fälle sind denkbar bei der Inventur, beim Erfassen von Angeboten u. v. m. Traditionell wird in solchen Fällen die Störung tele- fonisch durchgegeben, der Kollege erfasst sie in SAP manuell und bearbeitet sie weiter. Über eine mobile Fiori App kann der Mitarbeiter den Vorfall sofort im System erfassen.

SAP liefert für typische Arbeitsvorgänge selbst eine Vielzahl vorgefertigter Fiori Apps aus. Zu den meist genutzten SAP Fiori Apps gehören folgende Anwendungen:

  • Die Verwaltung von Geschäftskontakten („My Accounts“, „My Contacts“)
  • Die Darstellung potenziellen Neugeschäfts
    („My Opportunities“)
  • Die Aufgabenverwaltung („My Tasks/Meine Aufgaben“)
  • Das Zeitmanagement („My Timesheet“)
  • Die Einkaufsübersicht („My Shopping Cart“)
  • Das Verfolgen von Bestellungen („Track Purchase Order“)
  • Das Prüfen von Lagerbeständen und Preisen („Check Price and Availability“)
  • Die Auftragsübersicht („Create/Change Sales Order“)
  • Das Aufschlüsseln von Rechnungs- beträgen nach Positionen, Sendungen und Steuern („Customer Invoices“)

ENTWICKLUNG EIGENER SAP-FIORI-APPS

Standard-Fiori-Apps lassen sich detailliert um kundenindividuelle Anforderungen ergänzen. Mit SAPUI5 können
für SAP Power User zusätzlich Cockpitfunktionalitäten zur Automatisierung von Prozessen entwickelt werden. GAMBIT unterstützt Unternehmen dabei, eigene HTML5-, also Open-Source-basierte Anwendungen für weite- re individuelle Aufgaben zu erstellen. Dies ist auch sinnvoll und erforderlich, denn SAP wird selbst nicht alle rund 400.000 bisherigen Benutzeroberflächen (SAP-Dynpros) in SAP Fiori nachprogrammieren. Der Fiori Design-Bau- kasten, den SAP dafür bereitstellt, ist das auf HTML5 basierende SAPUI5. Er folgt offenen Webstandards und bie- tet diverse vordefinierte grafische Bedienelemente, mit denen grafische Oberflächen für verschiedenste Prozess- schritte in SAP erstellen können. Die prozessoptimierte Oberfläche wird in SAPUI5 erstellt, die Funktionsbausteine (BAPIs) im Backend mit ABAP. Oberfläche und Backend kommunizieren über Web Services mit dem Open Data Protocol (OData) und über das SAP NetWeaver Gateway.
Dadurch können die Apps ohne Middleware wahlweise mobil oder im Desktop aufgerufen werden. Fiori Apps lau- fen grundsätzlich nicht offline, sondern betriebssystemunabhängig direkt im (beliebigen) Browser.

SAP bietet zum Erstellen von SAPUI5-Anwendungen eine webbasierte Entwicklungsumgebung (WebIDE) an. Dies geschieht, wie bei Web Dynpro, nach dem Model-View-Controller-Architekturmuster. Zur Auswahl stehen die Da- tenmodelle JSON, XML, Resource und OData Model. Über vorgefertigte SAP-Themes, die im Kopf der Anwendung eingebunden werden, wird das Erscheinungsbild definiert.

FOLGENDEN THEMES STEHEN ZUR VERFÜGUNG:

  • SAP Mobile Visual Identity (sap_mvi) (i.d.R. für mobile Anwendungen)
  • Platinum (sap_platinum)
  • Belize (Nachfolger von Blue Crystal (sap_bluecrystal))
  • High Contrast Black (sap_hcb)
  • Gold Reflection (sap_goldreflection)

SAP-FIORI – BETRIEB IN DER CLOUD ODER ON-PREMISE

Der Betrieb einer Fiori App ist auf zweierlei Art mög- lich: aus der Cloud (SAP Cloud Platform) oder On-pre- mise, also installiert im eigenen Haus. Für die zweite Variante ist der Betrieb des SAP Fiori Frontend Servers als Gateway erforderlich. Er rendert die Apps und kom- muniziert mit dem angebundenen SAP-ERP-System mittels OData Services. Will ein Unternehmen die App auch über die Firmengrenzen hinaus nutzbar machen, muss bei der On-premise-Variante das SAP Gateway in der demilitarisierten Zone angesiedelt werden, um aus dem Web ansprechbar zu sein.

Für den Betrieb typischer aufgabenbezogener Fiori Apps ist keine HANA-Datenbank erforderlich, diese sind auch auf relationalen Datenbankplattformen lauffähig. Ausschließlich in Verbindung mit einer HANA-basierten SAP Business Suite einsetzbar sind hingegen die so ge- nannten Factsheets, mit denen der User das SAP-Sys- tem sekundenschnell nach beliebigen Stichwörtern durchsuchen kann. Dies gilt gleichfalls für analytische Apps, die in Echtzeit Kennzahlen aus den Anwendungen der SAP Business Suite liefern, und für SAP-Smart- Business-Applikationen.

SAP FIORI LAUNCHPAD

Als eigene SAP Fiori Homepage ist das Launchpad der zentrale Einstiegspunkt in alle Fiori Apps. Es wird aus- schließlich auf der Clientseite ausgeführt und gesellt sich damit als dritte vollwertige Alternative für den Einstieg in die SAP-Welt neben das SAP NetWeaver Portal und den SAP NetWeaver Business Client. Außer mit SAPUI5 erstellten Apps können im Launchpad auch Anwendungen auf Basis von Web Dynpro ABAP oder Non-SAP- Anwendungen aufgelistet werden. Alle Apps werden dem Anwender als Kacheln (Tiles) dargestellt. Er kann sein persönliches Launchpad durch Gruppierungen, Änderungen der Reihenfolge oder auch Entfernen von Kacheln an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Mit dem SAP Fiori Cloud Demo bietet SAP eine frei zugängliche, beispielhafte SAP-Fiori-Launchpad-Umgebung mit ausgewählten Apps an. In vereinzelten Fällen sind Fiori Apps auch stand- alone außerhalb des Launchpads lauffähig. Die App wird dafür in den Content-Bereich eines SAP NetWeaver Portal eingebunden oder über eine URL aufgerufen.

WELCHEN NUTZEN HAT SAP-FIORI?

Fiori Apps erleichtern die tägliche Arbeit mit SAP-Prozessen, weil sie intuitiv bedienbar sind und dem Anwender eine User Experience angelehnt an private Nutzungserfahrungen bieten. Schulungen oder tiefere SAP-Kennt- nisse sind nicht erforderlich. Ein weiterer wesentlicher Vorteil liegt im mobilen Zugriff. Anwender/innen kön- nen Aufgaben jederzeit und von jedem Gerät aus durchführen. Dies steigert die Produktivität, denn kleinere Aufgaben können einfach zwischendurch erledigt und dadurch Warte- und Transferzeiten verkürzt bzw. ver- mieden werden.

Durch die Verwendung von SAP Fiori kann ein Unternehmen die eigenen Ressourcen wesentlich besser nutzen. Wer das Nutzerverhalten seiner Beschäftigten genau kennt, kann Dialoge so entwerfen, dass eine Fiori App die Arbeit mit optimaler User Experience unterstützt. Das Management kann die Arbeitszeit der Beschäftigten effektiver auf kreative und wichtige Aktivitäten lenken.

Für die IT-Abteilung eines Unternehmens bedeutet der Einsatz von SAP Fiori, dass sie bestehende Funktionen des SAP-Systems ohne zusätzliche Entwicklungskosten einem breiteren Anwenderkreis zur Verfügung stel- len kann. So reduziert sich letztlich der Aufwand für Eigenentwicklungen im Bereich der Oberflächenge- staltung deutlich.

FAZIT:

  • Der Einsatz von Fiori Apps verbessert den Nutzungsgrad von SAP im Unternehmen außerhalb der Key-user Community.
  • Die Bedieneffizienz von SAP wird verbessert und das onboarding neuer Mitarbeiter beschleunigt.
  • Wichtige Daten sind in Echtzeit dezentral auf mobilen Endgeräten verfügbar.
  • Der SAP App-Store bietet Zugang zu erprobten Prozessen, die nicht erst aufwändig selbst entwickelt werden müssen.
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Meinolf Schäfer, Senior Director Vertrieb & Marketing

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