Vor- und Nachteile von SAP ERP 6.0 und SAP S/4HANA?

SAP ERP 6.0 ist ein ERP-System, das seit Oktober 2005 auf dem Markt ist. Es ist auch unter dem Namen SAP ECC bekannt.

SAP ERP 6.0 ist ein ERP-System, das seit Oktober 2005 auf dem Markt ist. Es ist auch unter dem Namen SAP ECC bekannt. Seit dem Start wurde das System durch mehrere Enhancement-Packages (Erweiterungspakete) immer weiter optimiert und erweitert. Das derzeit aktuelle Erweiterungspaket ist das „SAP enhancement package 8“ (seit 2016).

Einer der größten Vorteile von SAP ERP ist, dass das System vielen Nutzern mittlerweile vertraut ist. Sie kennen die Funktionen und Anwendungen des Systems genau. Zudem verfügt SAP ERP über ein sehr breites Spektrum an Modulen und Kernanwendungen und kann durch zahlreiche SAP-Addons verbessert und automatisiert werden. Neben Kernanwendungen wie CRM (Customer Relationship Management), SCM (Supply Chain Management) und SRM (Supplier Relationship Management) besteht SAP ERP 6.0 aus Modulen wie zum Beispiel MM (Materials Management), Sales & Distribution (SD) oder SAP Financials (FI).

Zu den größten Nachteilen des Systems gehört, dass SAP ERP einen erheblichen Speicherbedarf hat. Auch aufgrund des – im Vergleich zu SAP S/4HANA – deutlich komplexeren Aufbaus des gesamten Systems braucht die Datenverarbeitung und -analyse daher erheblich mehr Zeit. Eine Verarbeitung von Daten in Echtzeit ist nicht möglich; neue Anwendungen wie Künstliche Intelligenz (AI) oder Machine Learning können somit nicht umgesetzt werden.

Zudem benötigt auch die Einarbeitung in der Regel viel Zeit. Viele Funktionalitäten sind komplex, die Benutzeroberfläche unübersichtlich und im Grunde nicht mehr zeitgemäß. Dies gilt auch für die Darstellung von Analysen, die nur in sehr begrenztem Umfang möglich sind. Hinzu kommt: Wer als Anwender einen neuen Vorgang (etwa eine Bestellung) anlegt, muss dazu mehrere Schritte durchführen. Hier schleichen sich häufig Fehler ein, weil wichtige Felder ausgespart werden. Der größte Nachteil von allen aber ist sicherlich: SAP stellt die Wartung für SAP ERP 6.0 ab 2025 komplett ein.

Wie SAP ERP 6.0 (bzw. SAP ECC) ist auch SAP S/4HANA im Grunde eine ERP-Software. SAP S/4HANA soll Unternehmen vor allem ermöglichen, die „Herausforderungen von heute und die Chancen von morgen“ (SAP) nutzen zu können, also vor allem die Chancen der Digitalisierung. Mit SAP Leonardo hat SAP zum Beispiel ein Innovationstool geschaffen, das Anwendungen unter anderem für das Internet der Dinge, die Künstliche Intelligenz oder Big-Data-Analysen bereitstellt – um die Vorteile von SAP Leonardo aber nutzen zu können, bedarf es auch eines leistungsstarken und schnellen Software-Systems wie SAP S/4 HANA.

Anders als SAP ERP 6.0 basiert die neue Business-Suite auf der In-Memory-Datenbank SAP HANA (Speicherung der Daten direkt im Arbeitsspeicher). Auf diese Weise kann SAP S/4HANA weitverzweigte Daten und Informationen in Echtzeit verarbeiten und auswerten, aber auch Vorhersagen treffen, Daten visualisieren und Simulationen durchführen. Die hohe Geschwindigkeit des Systems führt auch dazu, dass Ausfälle von Maschinen oder Fehlbestände im Lager früher erkannt und behoben werden können – kostspielige Unterbrechungen der Produktion können somit verhindert werden.

Außerdem verfügt SAP S/4HANA über eine vollkommen neue Benutzeroberfläche: SAP Fiori ähnelt herkömmlichen Apps aus dem Consumer-Bereich und ist für erfahrene Anwender nahezu ohne Einarbeitung nutzbar. Und: SAP Fiori kann nicht nur mit dem Rechner im Büro genutzt werden, sondern auch mobil mit Smartphone oder Tablet.

Zu den Vorteilen von SAP S/4HANA gehört außerdem, dass das System deutlich einfacher aufgebaut ist als SAP ERP 6.0 – sowohl hinsichtlich der Programm- und Systemarchitektur als auch mit Blick auf das Datenmodell. Das bedeutet im Vergleich: SAP S/4HANA hat nur halb so viele Codezeilen, Datenelemente und Tabellen wie SAP ERP 6.0. Aus dieser „simpleren“ Struktur wiederum resultieren nicht nur höhere Reaktionszeiten, sondern auch ein geringerer Wartungsbedarf und eine höhere Innovationsgeschwindigkeit. SAP hat zudem das Rollen- und Rechtesystem verbessert: Jeder Nutzer erhält jetzt nur noch Zugriff auf die Anwendungen, die tatsächlich relevant für ihn sind.

Neben den Vorteilen hat auch SAP S/4HANA dennoch auch einige wenige Nachteile. Dazu gehören insbesondere die Investitionskosten, die mit der Umstellung auf das neue System verbunden sind. Die zahlreichen Vorzüge des neuen Systems (höhere Effizienz, mehr Geschwindigkeit, Nutzung digitaler Innovationen und Technologien, etc.) führen aber dazu, dass diese Kosten sich in der Regel schnell amortisieren. Oder anders gesagt: Wer die Umstellung zu lange hinauszögert oder im Einzelfall sogar gar nicht vollzieht, der ist im Wettbewerb auf lange Sicht benachteiligt und muss dies aller Wahrscheinlichkeit mit sinkenden Erlösen und Marktanteilen bezahlen.

Die Umstellung führt – wie bei jeder Veränderung eines solchen Systems – zudem dazu, dass die Nutzer sich zunächst an das neue System gewöhnen müssen. Aufgrund der deutlich vereinfachten und anwenderfreundlichen Oberfläche und dem einfachen Aufbau des Systems sollte dies aber keine größere Schwierigkeit sein. Gleiches gilt für mögliche Störungen des Geschäftsbetriebes, die durch die Migration vom einen auf das andere System auftreten können. Durch eine gute Vorbereitung und Planung der Umstellung (Readiness-Check, Roadmap, u. a.) und durch die Unterstützung von Experten können solche Vorkommnisse aber in der Regel weitgehend vermieden werden.