SAP GUI

Jede Business-Software benötigt eine Oberfläche für die Darstellung von Daten und Interaktion mit Anwendern. SAP löst dies über SAP GUI.

SAP GUI: Die grafische Benutzerschnittstelle im Überblick

Neben einer Begriffsdefinition beschäftigen wir uns auf dieser Seite umfassend mit den technischen Hintergründen, der Historie, den Funktionen und den Integrationsmöglichkeiten des SAP Graphical User Interfaces (GUI).

Was ist SAP GUI?

SAP GUI (SAP Graphical User Interface) ist die Bezeichnung für die grafische Benutzeroberfläche eines SAP-Systems. Sie ist notwendig, damit Anwender mit der SAP-Software direkt interagieren können. Gleichzeitig ist das SAP GUI auch ein Programm, das lokal auf Endgeräten installiert wird. Dieses empfängt Daten vom Applikationsserver und stellt sie in bekannter visueller Form dar.

Aufgerufen wird die SAP-GUI-Benutzeroberfläche in Windows-Umgebungen über SAP Logon. Es handelt sich hierbei um ein Programm, das für die Anmeldung an SAP-Systemen genutzt wird. SAP Logon listet alle verfügbaren Systeme. Per Doppelklick wählt der Nutzer das gewünschte System aus. SAP Logon stellt dann automatisch eine Verbindung mit dem Server her, der aktuell die beste Antwortzeit aufweist.

Alternativ ist die SAP-GUI-Oberfläche auch im Browser aufrufbar. Sie ist komplett in den Programmiersprachen C und C++ geschrieben. Darüber hinaus existieren plattformunabhängige Versionen (Java), HTML-Implementierungen und Varianten für mobile Endgeräte (Details im Abschnitt „Welche Implementierungen von SAP GUI sind möglich?).

Welches Konzept verbirgt sich hinter SAP GUI?

Klassische SAP-Systeme sind nach der sogenannten Drei-Schichten-Architektur aufgebaut, die sich wie folgt zusammensetzt:

  • Datenhaltungsschicht (auch: Back-End, Datenbankschicht, Data Server)
  • Logikschicht (auch: Applikationsserver, Business-Schicht)
  • Präsentationsschicht (auch: Front-End)

Das SAP GUI stellt in diesem mehrstufigen Client-Server-Modell die Präsentationsschicht dar. Es ist also rein für die Interaktion mit Benutzern und die Darstellung von Inhalten verantwortlich. Für die Datenhaltung und die Anwendungslogik bestehen andere Schichten.

Die Trennung von Präsentationsschicht und Logikschicht erfolgt in erster Linie aus Performance-Gründen. Das Ziel ist es, die Auslastung des Applikationsservers gering zu halten, indem die Rechenlast zur Bildschirmdarstellung auf lokale Endgeräte der Anwender ausgelagert wird. Der zentrale Server muss sich also nicht mit der komplexen Bildschirmdarstellung von SAP-Systemen befassen, sondern lediglich Daten bereitstellen.

Welche Funktionalitäten beinhaltet das SAP Graphical User Interface?

Das SAP GUI stellt mehrere Funktionalitäten zur optischen Anpassung der Benutzeroberfläche bereit. Viele Einstellungen können die Benutzer selbstständig vornehmen, während andere durch Administratoren festgelegt werden.

Das SAP Graphical User Interface wird mit vordefinierten Themes ausgeliefert, welche die Farbe, den Kontrast sowie die Darstellung von Symbolen, Buttons und Labels steuern. Unternehmen entscheiden selbst, ob sie ein bestimmtes Theme vorgeben, oder ob sie den Benutzern eine Auswahl beziehungsweise die Anpassung optischer Details des GUI erlauben. Empfehlenswert ist ein einheitliches Theme, da es Irritationen vorbeugt und somit auch den Anwender-Support erleichtert. SAP aktualisiert seine Standard-Themes regelmäßig, um angepasste und moderne Oberflächen zur Verfügung zu stellen.

Neben der Optik sind auch bestimmte Anzeigewerte der SAP GUI konfigurierbar. So lässt sich beispielsweise die Darstellung technischer Bezeichnungen (z. B. Belegarten) ein- und ausschalten. Auch individuelle Vorschlagswerte beziehungsweise Vorbelegungen für bestimmte Eingabefelder sind definierbar.

ABAP-Entwickler haben über das SAP GUI die Möglichkeit, ihren bevorzugten Debugger-Ansatz zu hinterlegen und den sogenannten Pretty Printer (Tool zum Schreiben von Code) zu konfigurieren. Mithilfe von SAP Screen Personas (verfügbar seit 2012) können Anwender auch ohne Programmierkenntnisse ihre Screens (Dynpros) an individuelle Bedürfnisse anpassen. In „SAP GUI für Windows“ ist bereits seit 1998 das Tool GuiXT vorhanden, welches ebenfalls eine Anpassung von Screens ermöglicht.

Was sind Dynpros?

Bei Dynpros handelt es sich um Programm-Komponenten, mit denen ABAP-Anwendungen über SAP GUI mit Benutzern kommunizieren. Bildschirmbilder eines Dynpros können einen Satz von Standard-Elementen oder sogenannten GUI Controls enthalten. Zu unterscheiden sind folgende Dynpro-Arten, mit denen die bekannten SAP-Oberflächen aufgebaut sind:

  • Allgemeine Dynpros
  • Selektionsbilder
  • Nachrichten

Wie kann die SAP-GUI-Version ermittelt werden?

Die lokale Installation des SAP GUI geht mit dem Nachteil einher, dass nicht immer aktuelle oder einheitliche Versionen auf den Client-Rechnern vorhanden sind. Insbesondere bei Sicherheitslücken ist es jedoch wichtig, Updates flächendeckend einzuspielen. Auch der Anwender-Support profitiert von gleichen Versionsständen. Dies führt zu der Frage, wie sich die die SAP-GUI-Version ermitteln lässt.

Am Arbeitsplatz des Anwenders genügt ein Klick im SAP Logon Pad. Im Menü befindet sich der Eintrag „Über SAP Logon“, mit dem sowohl das Release als auch die Version der SAP GUI abgefragt werden können. Wichtiger ist jedoch die zentrale Ermittlung sämtlicher SAP-GUI-Versionen. Leider bietet der SAP-Standard hierfür keine Möglichkeit. Unternehmen müssen daher eigene Reports erstellen, die beim Login von Benutzern die Version protokollieren. Alternativ kann die Installation der aktuellen Version der SAP GUI natürlich auch über Methoden der Software-Verteilung erzwungen werden.

Welche Implementierungen von SAP GUI sind möglich?

Zwar wird das SAP GUI überwiegend in Verbindung mit Microsoft Windows eingesetzt; es existieren jedoch weitere Implementierungen. Hierdurch lässt sich die Benutzeroberfläche auch in Browsern, Java-Umgebungen und auf mobilen Endgeräten wie Tablets einsetzen. Die einzelnen Varianten unterscheiden sich mitunter deutlich, weshalb wir sie im Folgenden näher betrachten möchten.

SAP GUI für Windows

Bereits seit Anfang der 1990er Jahre ist SAP GUI für Microsoft Windows verfügbar. Es handelt sich somit um die älteste und bis heute auch am häufigsten eingesetzte Implementierung des SAP Graphical User Interfaces. Der Einstieg erfolgt über das SAP Logon, über das die Anwender das gewünschte System auswählen. Im zweiten Schritt zeigt die Oberfläche eine Maske, in der die Nutzer den gewünschten Mandanten, ihren Benutzernamen sowie ihr Passwort eingeben müssen, um sich anzumelden.

Im Laufe der Zeit veröffentlichte SAP im Abstand weniger Jahre immer wieder neue SAP-GUI-Versionen für Windows. Teils gingen damit erhebliche Veränderungen einher. Zu beachten ist in diesem Kontext, dass GUI-Versionen nur für eine begrenzte Zeit mit alten und neuen SAP-Releases kompatibel sind. Zu einem definierten Zeitpunkt endet der Support durch SAP, weshalb Updates zeitnah eingespielt werden sollten.

In der ersten Version beinhaltete das SAP GUI noch keinerlei grafische Elemente wie Radiobuttons, Icons oder Checkboxen. Schnell erfolgten jedoch Anpassungen. Wesentliche Meilensteine in der Entwicklung von SAP GUI für Windows waren die folgenden:

  • 1996: Einführung einer Windows-95-Optik (flache Buttons, Registerreiter, Listenfenster)
  • 2000: Umfangreiche Neugestaltung der Oberfläche (zeitgemäße Optik, multiple Arbeitsoberflächen, verbesserte Übersichtlichkeit)
  • 2007: Einführung einer Windows-Vista-Optik (Integration von Microsoft Office 2007 Features, neuer ABAP Frontend Editor)
  • 2010: Neues Logon Pad, Unterstützung für Office 2010 und Windows 7
  • 2012: Unterstützung für Windows 8
  • 2014: Unterstützung für Windows 10, Einführung des „Blue Crystal Themes“ (angelehnt an die Fiori-Optik)
  • 2017: Einführung „Fiori 2.0 Visual Theme for Classical Applications“
  • 2019: SAP GUI 7.60, Einführung des Belize-Themes (Angleichung bestehender Web-Dynpro-ABAP-Anwendungen an das Fiori-Design)

Mit der neuesten Version (SAP GUI 7.60) möchte SAP eine einheitliche Benutzererfahrung für sämtliche SAP-Produkte gewährleisten. Das jahrelang im Einsatz befindliche Enjoy-Theme entfällt und wird durch „Belize“ abgelöst. Das SAP Logon Pad wird ebenfalls mit der Belize-Visualisierung angezeigt. Eine technische Neuerung der SAP GUI für Windows ist außerdem, dass das saplogon.ini-Format nicht mehr unterstützt wird. Es war in der Vergangenheit für den Verbindungsaufbau zum SAP-System zuständig und wurde mit Version 7.60 durch das neue Format „SAP UI Landscape“ ersetzt.

SAP GUI für Non-Windows-Systeme (Java-Implementierung)

Seit 2007 ist SAP GUI auch für Java-Umgebungen verfügbar. Diese Programmiersprache eignet sich ideal für den plattformunabhängigen Einsatz. Eingesetzt wird „SAP GUI für Java“ auf mehreren Nicht-Windows-Systemen. Hierzu zählen beispielsweise Apple Mac OS X, Sun Solaris, verschiedene Linux-Distributoren und AIX.

SAP GUI für Web-Browser (HTML)

Für den Einsatz von SAP-Systemen über Browser wie Internet Explorer und Firefox wurde „SAPGUI for HTML“ (WebGUI) geschaffen. Es handelt sich um eine Nachbildung der klassischen SAP-Benutzeroberfläche, die technisch auf HTML und JavaScript basiert. Voraussetzung für die Nutzung dieses Ansatzes ist der sogenannte SAP Internet Transaction Server (ITS).

SAP GUI für mobile Endgeräte

Für mobile Endgeräte existiert SAP GUI im klassischen Sinne nicht. Vielmehr bieten SAP und SAP-Partner zahlreiche native Apps für Smartphones und Tablets an. Verfügbar sind außerdem mobile Apps, die auf SAP Fiori sowie HTML5-Technik basieren und über jeden Browser bedienbar sind.

Insbesondere SAP Fiori spielt eine wichtige Rolle für das Oberflächendesign. Es stellt die am häufigsten genutzten Funktionalitäten der SAP Business Suite sowohl am Desktop als auch mobil bereit. Dank Responsive Design passen sich die Apps an die unterschiedlichen Bildschirmgrößen an. Unterstützt werden alle gängigen Betriebssystem-Plattformen und Browser.

SAP-Integration in Microsoft-Office-Anwendungen

Eine weitere Möglichkeit für den Zugriff auf SAP ist die Software „Duet“. Sie entstand aus einer Kooperation zwischen Microsoft und SAP. Das Ziel war es, die Softwareprodukte beider Anbieter zu integrieren. So ist es mithilfe von Duet möglich, aus Office-Anwendungen heraus auf bestimmte SAP-Funktionen zuzugreifen.

Ausblick SAP GUI: Benutzererfahrung verbessert sich zunehmend

Mit der Einführung von SAP S/4HANA geht eine klare Zielsetzung einher: SAP wird nicht nur schneller, sondern auch optisch ansprechender und einfacher. In diesem Zuge wird das traditionelle SAP GUI durch moderne die HTML5-Fiori-Oberflächen ersetzt. Erstmals in der Geschichte der SAP-Oberflächen steht die User Experience (UX) klar im Fokus. Die neue UI-Technologie orientiert sich an den vorteilhaften Eigenschaften von Apps, die Nutzer aus dem privaten Bereich kennen: intuitive Bedienbarkeit, Vereinfachung der Oberfläche und Beschränkung auf das Wesentliche.

Neben der klassischen Bedienung per Maus und Doppelklick geht der Trend im Bereich der SAP-Benutzerschnittstellen in Richtung sprachbasierte Bedienung. Entsprechende Sprachassistenten stehen schon heute zur Verfügung und werden von SAP fortlaufend weiterentwickelt. Mit SAP Fiori 3 bringt SAP darüber hinaus künstliche Intelligenz ins Spiel. Ein Algorithmus präsentiert den Benutzern hierbei die Informationen und Geschäftsereignisse, um die sie sich kümmern müssen. Anschließend liefert das System Handlungsempfehlungen und lernt aus den Entscheidungen des Benutzers.

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Meinolf Schäfer, Senior Director Vertrieb & Marketing

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